Afra Dopfer:
Grün, Grün, Rot / Rot, Rot, Grün, 2013


Kinderkrippe Anton-Geisenhofer-Straße 7
Architekt: Landherr Architekten, München
 

Einzelwerk
   

2 x 300 lackierte Buchenholzstäbe
drehbar gelagert, Aluminiumhülsen
Wandnische: 214 cm x 239 cm x 10 cm
Holzstäbe: 17 cm x 1 cm x 2 cm



Im weiß und grau gestalteten Spielflur der Kindertagesstätte setzen Afra Dopfers Ornamentfelder Farbakzente, gleichzeitig eröffnen sie einen optischen Spielraum, der die Kinder zur Mitwirkung einlädt. In der Ausgangslage funktionieren die Elemente des veränderbaren Ornaments in ihrer sich seriell wiederholenden Abfolge von Grün, Grün, Rot im Erdgeschoss und Rot, Rot, Grün im Obergeschoss optisch wie Linien eines Bildes. Tatsächlich handelt es sich um kurze, farbige Holzstäbe, die um ihre eigene Achse gedreht werden können. Jede Drehung verändert das Bild und bringt eine andere Konstellation hervor, wobei die Zahl der möglichen Variationen und Veränderungen unausschöpfbar ist.

Das von Afra Dopfer gewählte Ausgangsornament ist streng geometrisch und klar konstruiert und lässt sich doch optisch mehrfach lesen: Das Auge kann den horizontalen, vertikalen und diagonalen Farblinien folgen. Es kann das Bild aber auch flächig als Summe von Dreiecken mit kreisförmigen Eckpunkten, als Addition von Rauten oder – die wohl als erstes ins Auge springende Lesart – als Nebeneinander von Sechsecken betrachten. Eine räumliche Art der Betrachtung verwandelt die Sechsecke perspektivisch in Würfel.

Von den drehbaren Farbstäbchen, die einem Bauklötzchensatz ähneln, geht die Aufforderung an die Kinder aus, in das Bild einzugreifen und es spielerisch umzugestalten. Da die Reichweite der Arme der Kinder begrenzt ist und die oberen Reihen des Ausgangsornaments außerhalb ihres Zugriffs liegen, bildet sich der Aktionsradius der Kinder optisch ab: Die strenge geometrische Ordnung bleibt im oberen Teil erhalten, im Bereich, in dem die Kinder agieren, entstehen womöglich Chaos, eine neue Ordnung oder aber auch, mit dem oberen Teil als Vorbild, erneut das Ausgangsornament.

Heinz Schütz

Fotos: Thilo Härdtlein