Claudia Wieser:
Geometrische Grundformen, Der Garten der Formen, Meine Stadt, Himmelskörper, 2014


Grundschule Grafinger Straße 71-73
Architekt: Frank und Probst Architekten, München
 

Einzelwerk
   

17 Keramische Fliesenwandbilder
Formate von 285 x 60 cm, 285 x 285 cm und 700 x 285 cm



Kreise, Halbkreise, Dreiecke, Quadrate, Rechtecke und Rauten sind das Grundvokabular mit dem Claudia Wieser die Wandbilder für den Erweiterungsbau der Grundschule an der Grafinger Straße gestaltet hat. In immer wieder neuen Variationen komponiert sie daraus dynamisch-abstrakte Bildgefüge. Der formalen Beschränkung hat sie einen ganzen Fächer leuchtender Farben entgegen gesetzt. Feuriges Rot trifft auf zartes Rosé, dunkles Lila auf leuchtendes Türkis, tiefes Blau auf frühlingshaftes Grasgrün.
Die Ausdruckskraft der Bilder wird noch einmal verstärkt durch das Trägermaterial. Denn Wieser hat keramische Fliesen gewählt, die aufgrund ihrer Langlebigkeit eine lange Tradition in der künstlerischen Gestaltung von öffentlichen Gebäuden haben. Dieser eher klassische Ansatz von Kunst-am-Bau entspricht der Arbeitsweise von Wieser, die Keramik als künstlerisches Material schon vor längerer Zeit für sich entdeckt hat: „Ich habe mich durch die Abbildung eines gefliesten Klavierzimmers von Kandinsky dazu anregen lassen.“
Im Gegensatz zu ihren freien Arbeiten sind Wiesers Entwürfe für die Grundschule viel erzählerischer. Den vier Jahrgangsstufen hat sie ihre Wandbilder zu den Themenfeldern „Geometrische Grundformen“, „Der Garten der Formen“, „Meine Stadt“ und „Himmelskörper“ gegenüber gestellt. Das erinnert an die Vorkurse am Bauhaus, der berühmten Schule für Kunst, Architektur und Design, an der renommierte Künstlerpersönlichkeiten die Grundlagen der Kunst lehrten. Wieser hat diesem Ansatz die dogmatische Strenge genommen und in die Gegenwart übertragen. Ihre Bilder beflügeln die Fantasie der Kinder und laden zur Auseinandersetzung mit dem Potential geometrischer Formen ein.

Cornelia Gockel

Fotos: Wilfried Petzi