Robert Barta:
Auf den Spuren der alten Meister, 2013


Bezirkssportanlage Max-Reinhardt-Weg 28
Architekt: Friedrich Poerschke Zwink Architekten, München; Ad
 

Einzelwerk
   

Betonplatten 40 x 40 cm mit 142 eingearbeiteten Intarsien aus Kaltplastik in Form von Fußspuren der Kinderschuhgröße 32
Innenbereich Intarsien aus Kautschuk



Unser Alltag wird von Gesetzmäßigkeiten und Abläufe bestimmt, die wir selten hinterfragen. Robert Barta durchbricht in seinen Kunstwerken diese uns nur allzu gut bekannten Muster. So dreht sich beispielsweise ein Bierdeckel auf seiner Kante unentwegt weiter, ohne je umzufallen oder eine Kerze brennt über viele Stunden ohne ihre Größe zu verändern. In seiner Installation „time machine“ kommt ein Eisenbahnmodell kaum von der Stelle, weil sich die Schienen entgegengesetzt zur Fahrtrichtung im Kreise drehen. Auf diese Weise schafft der Künstler die Illusion, die Gesetzte der Naturwissenschaften – beispielsweise Regeln der Gravitation, der Geschwindigkeit, der Zeit und der Mechanik – aufzuheben.
Auf dem Gelände der Bezirkssportanlage ließ Barta farbige Fußabdrücke in die Betonplatten der Wege gießen. Sie verweisen auf Höchstleistungen im Spitzensport in den Disziplinen 100-Meter-Lauf, Weit- und Hochsprung, Hammer-, Diskus- und Speerwerfen, Fuß- und Basketball. Die Abbildung dieser Fußabdrücke veranschaulicht die ungeheure körperliche Herausforderung und macht sie so auch für normale Sportlerinnen und Sportler annähernd erfahrbar. Für diejenigen, die sich unmittelbar vor dem Absprung befinden, erscheinen die nahezu neun Meter, nach denen man wieder landet, als unüberbrückbare Distanz. Die Besten legen die 100-Meter-Strecke unter zehn Sekunden mit fünfundvierzig Zwei-Einhalb-Meter-Schritten zurück. Die Schrittfolge beim Hammerwerfen wirkt wie eine komplexe Tanzchoreografie. Barta geht es nicht um die Überhöhung von Spitzenleistungen, sondern auch hier unterläuft er das gewohnte Schema: Die von ihm gewählte Fußspurengröße erweckt den Eindruck, diese Höchstleistungen seien von Kindern erbracht worden.

Fotos: Michael Heinrich