Sarah Pelikan:
Großer Ball, 2013


Kinderkrippe Kastelburgstraße
Architekt: Landherr Architekten; LA.: Veronika Richter
 

Einzelwerk
   

geklopftes Aluminium und Autolack
Durchmesser: 1,50 m



Wenn man die Aubinger Kastelburgstraße zwischen Reihenhäusern und Fabrik-Relikten entlang kommt, sieht man sie schon von weitem: Eine riesige, bunt gestreifte Kugel, die den Eingang zur neuen Kinderkrippe der Diakonie markiert. Die Münchner Künstlerin Sarah Pelikan schuf den „Großen Ball“, ein Kunstwerk am Bau aus geklopftem Aluminium und Autolack, das in seiner Umgebung nicht nur als weithin sichtbares, eindeutiges Zeichen wirkt, sondern auch vor der gedeckt blauen Fassade des Neubaus einen fröhlichen Akzent setzt.
Die Künstlerin vermied dabei allzu eindeutig besetzte Farbtöne wie Rosa, Lila und Hellblau, sondern komponierte einen Vierklang aus Türkisgrün, Tomatenrot, Indischgelb und Weiß.
Sarah Pelikan ist eigentlich eine abstrakte Malerin, die mit leuchtend-monochromen Farbfeldern ganze Räume in Besitz nimmt. Hier aber war sie sich bald darüber im Klaren, dass sie auf die 0- bis 3-jährigen Kleinkinder, die tagsüber in der Krippe untergebracht sind, nicht mit noch mehr Farben und Eindrücken einwirken wollte, als in der Kinderwelt ohnehin vorhanden sind. Darum entschied sie sich für eine skulpturale Arbeit im Außenraum.
Im ersten Moment wirkt der Ball als Inbegriff von Kinderspiel fast zu naheliegend – dennoch ist er in dieser Umgebung die perfekte Wahl. Die Skulptur mit einem Durchmesser von 1,50 Meter ist nicht nur ein rundes Objekt, das an einen überdimensionierten Wasserball erinnert: Zum einen ergibt sich durch die deutliche Kippung der Achse und den parallelen Farbkreisen eine starke Dynamik, so als ob dieser Ball mit starkem Drall eben erst angesaust kommt. Zum anderen erinnern die Streifen, obschon sie nicht gleichmäßig breit sind, an die Breitenkreise des Globus. So ist der „Große Ball“ auch ein prägnantes Symbol für eine Institution, in der die Vermessung der Welt im Kleinen beginnt.

Roberta De Righi

Fotos: Henning Koepke