Tim Bennett:
Es war einmal ein Baum, 2013


Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium Elektrastraße 61
Architekt: Friedrich Hingerl, München; Landschaftsarchitekten
 

Einzelwerk
   

Zweiteilige Bronzeskulptur
ca. 340x70x70 cm sowie 1x70x70 cm



Manchmal ist es unvermeidbar, dass im Zuge von Neubaumaßnahmen alte Bäume gefällt werden. So war es auch bei der Sanierung und Erweiterung des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums in Bogenhausen. Dort musste eine alte hochgewachsene Buche einem flachen Anbau weichen, der an dieser Stelle geplant war.

Bei der ersten Ortsbegehung beschloss Tim Bennett, der alten Buche, die so viele Schülerkarrieren an der Seite des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums überdauert hatte, ein Denkmal zu setzen. Nachdem der Baum gefallen war, ließ er den Stamm in Bronze abgießen, und die Skulptur im Eingangsbereich aufstellen. In der neuen Pausenhalle erinnert eine Bronzefliese seinen ursprünglichen Standort.

Mit dem Titel der Arbeit „Es war einmal ein Baum“ bezieht sich der Künstler auf eine Textstelle in Wilhelm-Hausensteins Erzählung „Ein Baum ist gefallen“. Der Autor verbindet darin seine melancholischen Naturbeobachtungen mit den Zeitläufen. Um die Schüler mit in die Arbeit einzubeziehen, veranstaltete Bennett einen Workshop, bei dem die Teilnehmer eingeladen waren, Text- und Bildfragmente zu finden, die sie in den Stamm des Baumes als Erinnerungszeichen einritzen wollten. Ziel war es, nicht nur die eigenen Befindlichkeiten zu reflektierten, sondern auch zu überlegen, wie zukünftige Schülergenerationen die Beiträge wahrnehmen werden.

Gemeinsam mit dem Künstler besuchten die Schüler die Gießerei im Münchener Westend, um dort ihre Zeichen in die noch weiche Wachspositivform für den bevorstehenden Bronzeguss zu ritzen. Tim Bennetts Arbeit „Ein Baum ist gefallen...“ erinnert somit nicht nur an ein Stück vergangene Natur, sondern auch an die Schülerinnen und Schüler, die an diesem Gymnasiums einige Jahre ihres Lebens verbracht haben und dann ins Leben entlassen wurden.
Cornelia Gockel

Fotos: Christoph Mukherjee