Wolfgang Groh:
Wunderkammer, 2010


Kooperationseinrichtung Säbenerstraße 61
Architekt: Boschmann + Feth
 

Einzelwerk
   





Wundersame Fossilien, zauberhafte Ringe mit Glasaugen, naturwissenschaftliche Messinstrumente und ein niedliches Einhorn aus Plüsch - wer die Auslagen in der Vitrine der Wunderkammer von Wolfgang Groh in der Kooperationseinrichtung in der Säbenerstraße anschaut, wird große Augen machen. Mehr als 150 Einzelstücke hat der Künstler auf drei Etagen einer Vitrine in einem intimen Kabinett inszeniert. Vorbild waren die Kunst- und Wunderkammern des 16. und 17. Jahrhunderts, die mit Objekten aus den Bereichen Natur, Kunst und Technik nicht weniger als ein Bild der Welt im Kleinen entwerfen wollten.

Groh hat eine Sammlung aufgebaut, die sich an der Entdeckungslust und dem Wahrnehmungsverhalten der 1-6 –jährigen Kinder in dieser Einrichtung orientiert und seine Wunderkammer als eine Schule des Sehens angelegt. Trotz der Fülle an faszinierenden Einzelstücken ist eine altersspezifische Ordnung ablesbar. So befinden sich in der untersten Etage vor allem einfache Formen wie ein Ball, eine Schaufel oder Förmchen in den Farben Blau, Rot, Gelb und Grün. Die zweite Ebene ist dem Thema Sehen und Wahrnehmen gewidmet. Dort entdeckt man eine Feder mit Augpunkten, einen mit Glasaugen benähten Plüschteddy, sowie eine Lupe, die den Blick auf ein in Bernstein eingeschlossenes Insekt freigibt. Die oberste Etage enthält naturwissenschaftliche Objekte, wie einen Bärenschädel oder ein ausgestopftes Krokodil, das rücklings von der Decke herabhängt.

Die Vitrine ist Bestandteil eines Kubus aus Aluminium und Glas, einem geschützten Raum, der, ausgestattet mit einer Sitzbank, auch als Rückzugsort dienen kann. Als dreidimensionales Bilderbuch wird die Wunderkammer auch in die pädagogische Arbeit der einzelnen Gruppen miteinbezogen.

Cornelia Gockel

Fotos: Peter Schinzler