Judith Egger:
Nest der unerforschten Arten, 2013


Haus für Kinder Eisnergutbogen
Architekt: Holzfurtner + Bahner Architekten und Stadtplaner
 

Einzelwerk
   

Beton, Eichenstamm und 40 Gießharzeinschlüsse
mit z.T. bemalten Miniatur-Plastiken
2 integrierte Lampen und 1 Sitzheizung
ca. 430 x 580 x 200 cm



Es kreucht und fleucht. 40 Spezies, wie sie keiner je zuvor gesehen hat, bevölkern den Stadtkindergarten. Die normierte, im Idealfall auch reibungslos funktionierende Alltagswelt durch Abnormitäten zu stören, kann zu unabsehbaren Folgen führen. Dafür ist gewöhnlich niemand zu haben, wer will sich schon böse Überraschungen einhandeln. Nur bleibt so aber auch alles von einzigartigem Wert außen vor. Judith Egger ist das Absurde lieb und teuer. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, der anarchischen Ausbreitung des Lebendigen Raum zu geben. Ihre Installationen verwandeln rationale Funktionalität in pulsierend atmende Assemblagen, die auch noch die abgeklärtesten Köpfe zu Entdeckungsreisen und zu seltsamen Begegnungen einladen.

Hier ist es eine mysteriöse Insektenwelt. Sie lockt den kindlichen Forschergeist. Eins ums andere entdecken die Mädchen und Jungen aber auch noch ganz andere Kreaturen, die sich die gleichsam wie ein Schwamm alles überwuchernde Installation zu ihrem Nistplatz auserkoren haben. Mal sind sie anziehend, mal abstoßend, immer aber faszinierend und manchmal auch: befremdlich. Doch sich befremden zu lassen, ist das nicht überhaupt das ureigenste Vermögen der Kinder? Sie haben eine Empathie fürs Kuriose und fügen es lieber in ihre Welt ein, als dass sie es ausschlössen. Kinder sind freundlich. Und wen man einmal zum Freund gewonnen hat, – Erwachsene wissen das bereits – an den erinnert man sich zeitlebens gerne. Wie wäre es zum Beispiel mit dem rotleibigen Langhals, der mit weißen Walrosshauern Fliegen zu hüten scheint? 

Nicole Wiedinger

Fotos: Florian Holzherr, Judith Egger