Katharina Gaenssler:
Raum im Raum, 2013


Gymnasium Trudering - Friedenspromenade 64
Architekt: Felix Schürmann Ellen Dettinger Architekten
 

Einzelwerk
   

3 Fotoinstallationen, je ca. 216 × 623 cm
Farblaserdrucke, Kleister, VSG-Verglasung



Das neue Gymnasium Trudering ist ein lang gestreckter rechteckiger Bau, der innen durch die „Promenade“ erschlossen wird. An dieser Promenade haben die Architekten drei ca. 6m lange und 2m hohe, rechteckige Sitznischen mit breiten Holzbänken geplant. In die Wandvertiefungen installierte Katharina Gaenssler je eine ihrer fotografischen Arbeiten, die aus tausenden von Einzelbildern bestehen. Gegenstand der Darstellung ist das Schulhaus selbst in den drei wesentlichen Stadien seiner Existenz: als Baugrube, als Rohbau und als fertiges Gebäude. Alle drei Großbilder wurden vom selben Standpunkt aus aufgenommen, vom dem aus Gaenssler die sich ihr bietende Situation Stück für Stück systematisch wie ein Scanner mit der Kamera abgelichtet hat. Danach wurden die Einzelbilder in der Nische der Pausenhalle, entsprechend dem System der Aufnahmen eingeklebt und wiederum fotografiert, so dass im zweiten Bild das erste erscheint und im dritten die beiden früheren. Es ist also eine doppelte und dreifache Raum-im-Raum-Situation entstanden, die gleichzeitig die Entstehung des Baus in seinen unterschiedlichen Phasen und Stadien widerspiegelt. Doppelt und dreifach deshalb, weil diese Idee Gaensslers Arbeit zu Grunde liegt. Wenn sie einen Teil eines Gebäudes abgelichtet und anschließend wieder am selben oder ihm nahen Ort installiert hat, dann entsteht im fotografierten Abbild der Raum in verwandelter Form neu und tritt sozusagen in Dialog mit seinem Vorbild. Im Truderinger Gymnasium wird dieses Prinzip der Verdoppelung aber weiter getrieben, weil das installierte Abbild Teil des Abzubildenden ist. Wenn die Schülerinnen und Schüler auf den Bänken in den Nischen sitzen, können sie wie in den Wimmelbildern ihrer Kinderzeit auf Entdeckungsreise gehen und tauchen damit ganz von selbst in die Geschichte ihrer Schule ein.
Hanne Weskott

Fotos: Florian Holzherr