Barbara Christine Henning:
Himmel auf Erden, 2012


Haus für Kinder Fritz-Baer-Straße 15
Architekt: Prof. Andreas Meck, München
 

Einzelwerk
   

C-Prints auf Tapete, Panorama-Fries: 30 x 1,60 m, drei Oberlichter à 6 x 1,50 m



Später werden die Erwachsenen, die als Kind diesen Ort besucht haben, sagen: ,Ich habe dort den ,Himmel auf Erden‘ erlebt - der doppeldeutige Titel der Arbeit ist Programm.

Inspirierend war für die Künstlerin zunächst die ungewöhnliche Architektur des Rundbaus von Andreas Meck und Thomas Hammer für eine Kindertagesstätte. Ihre erste Assoziation seien die Rundbauten des chinesischen Stammes der ,Hakka‘ gewesen, erzählt Barbara Henning. In der Mitte der Häuser befand sich ein Hof unter freiem Himmel, in dem man sich traf und ein reges Sozialleben führte. Genauso wie die Kinder, die sich hier unter dem Himmel der Künstlerin austoben können. Kunsthistorische Zitate sind ebenfalls in Hennings Arbeit versteckt, wie etwa die Anspielung auf Andrea Mantegnas Deckengemälde ,Camera degli Sposi‘, wo die Engel dem Hochzeitspaar von einer himmelüberwölbten Balustrade herab zuschauen - genauso kann man hier von der umlaufenden Empore der Kita auf den ,Innenhof‘ schauen. Aber auch ohne etwas über Illusionsmalerei zu wissen, kann man den Blick in den Himmel genießen.

Papier ist die Leidenschaft von Barbara Henning - oder besser: Tapeten und das Tapezieren haben es ihr angetan. Über die Jahre sind faszinierende tapezierte Arbeiten entstanden, die sie oft als Installation mit Musik präsentiert, denn zweite Leidenschaft Hennings ist ihr Obertongesang. Seit ihr die alten Originaltapeten ausgegangen sind, entwirft sie ihre Tapetenmuster selbst. Sie fotografierte den Himmel über München, bearbeitete ihn am Computer und setzte aus verschiedenen Stücken ihr Himmelspanorama zusammen, das dann auf Tapetenpapier gedruckt und auftapeziert wurde. So also kam der Himmel auf die Erde, respektive in den Kindergarten. Dort schmückt er jetzt die Balustrade und die Innenseiten der Oberlichter - als ewig blauer Himmel, durchsetzt mit weißen Wolkenbergen.

Christina Haberlik

Fotos: Claudia Hofmair, Anton Brandl