Uli Oesterle:
Deine Entscheidung, 2013


Michaeli-Gymnasium - Hachinger-Bach-Straße 25
Architekt: Schankula, München
 

Einzelwerk
   

Digital erstellte Illustrationen, die im keramischen Digitaldruck auf die Innenseite der äußeren Glasplatten gebracht wurden.
Maße: ca. 10m hoch, 3,60m breit und 0,22m tief



Erwachsen werden ist ein Kinderspiel aus dem beiläufig Ernst wird. Wohin führt der Lebensweg? Der Münchner Comic-Künstler Uli Oesterle hat für den neuen Klassentrakt des Michaeli-Gymnasiums aus dem individuellen Lernprozess des Schülers eine universelle Bilderzählung gemacht. „Deine Entscheidung“ nennt er sein Kunstwerk am Bau, das sich auf mit LEDs hinterleuchteten Glaspaneelen im rechteckigen Treppenauge über drei Etagen zieht.

Eine DNA- Doppelhelix bildet den Hintergrund zu einem Erzählstrang, der sich auf der einen Seite der Treppe hinauf- und auf der anderen hinabschlingt: Kaum hat der kleine Mensch zur eigenen Wahrnehmung gefunden, bringt man ihm in der Schule bei, die Welt korrekt zu vermessen. Erklimmt er die steile Treppe aus Büchern und findet durch das Bildungs-Labyrinth, darf er nach dem Abitur kurz triumphieren – ehe im Studium die Plackerei von vorne losgeht. Hier geht die genetische Struktur in den „Baum des Wissens“ über, der sich in drei Hauptzweige teilt: in einen Weg der Sprache und Kommunikation, einen technisch-mathematischen und einen künstlerischen Weg.

Die Zeichnung wurde im keramischen Digitaldruckverfahren auf die zwölf (6 mal 2, insgesamt 10 Meter hoch und 3,60 Meter breit) Milchglasscheiben übertragen. Oesterle setzt hier die Formensprache und Erzählweise des Comic im großen Format der Wandmalerei um. „2B or not 2B“ lautet noch immer die Frage, auch wenn sie hier und heute anders als bei Shakespeare geschrieben wird. Geflügelte Augen, Sprach-Knospen, Buchstaben-Samen oder eine Armee aus Nullen und Einsen – Uli Oesterle hat für „Deine Entscheidung“ zeitgemäß sprechende Symbole erfunden und seine Bildgeschichte mit vielen originellen Details angereichert. Ihre anschauliche Wirkung entfalten die Einzelmotive jedoch auf der Basis einer Jahrhunderte alten Tradition grafischen Erzählens.

Roberta De Righi

Fotos: Frank Bauer