Michael von Brentano:
Kristallwand, 2013


Haus für Kinder Am Kiefernwald - Admiralbogen 49
Architekt: Krug Grossmann, München
 

Einzelwerk
   

Installation aus Lüsterkristallen aus Glas, 539 x 317 cm
9 Kristallgitterformen aus farbig lackiertem Aluminiumblech, Höhe zwischen 45 und 90cm



Ganz einfach ist die Arbeit von Michael von Brentano für das „Haus für Kinder Am Kiefernwald“ und gleichzeitig hoch komplex.
Zunächst nimmt sie die Kinder mit in die Welt der Märchen, erinnert an archetypische Vorstellungen von Räumen voller Edelsteine und regt die Phantasie an, im Betrachten der Wandarbeiten Farben wie Formen spielerisch zu entdecken, um sie mit den mit den Geschichten der inneren Welt zu verbinden. Das geschieht mit großer Leichtigkeit und in abstrakter Schönheit und heiterer Strenge der Arbeit, die sich niemals anbiedert, keinerlei „kindliche“ Form vorgibt.
Damit ist die zweite Ebene eröffnet: Die des Ordnens und der Ordnung. Märchen, Spiel wie Kunst beschäftigen sich damit, die umgebende Welt, die zunächst chaotisch oder unüberschaubar erscheint, zu ordnen, damit der Mensch sich in ihr verorten kann. Deshalb öffnet Michael von Brentano hierfür den Blick, wenn er die Welt der neun Mineralien ausbreitet, und jedem Mineral ein kristallines System zuordnet. Dabei entsteht eine feine Verbindung von Poesie und Wissenschaft, die schon in den Namen der Mineralien anklingt: Gold, Pyrit, Bergkristall, Diamant, Beryll, Karfunkelstein, Emser Tönnchen, Azurit und Lapislazuli. Bezeichnungen, die den Märchen entsprungen sein könnten, die aber genauso die zugrunde liegende Ordnung benennen. Beides wird auch in der zweiten Wandarbeit, dem Raster aus über 1000 Glaslüstern, sichtbar: Die Poesie der Formen und der Farben, die erst im Licht ihr Strahlen entfalten, wie die exakte Ordnung, die dazu nötig ist. So formuliert die Arbeit Grunderfahrungen vor allem des kindlichen Lebens.

Wilhelm Warning

Fotos: Claudia Hofmair und Michael von Brentano