Romain Finke:
United Colors, 2012


Kinderkrippe Marchioninistraße 1
Architekt: Andreas Kampik, München
 

Einzelwerk
   

18 Farbelemente mit Farbverläufen 20 – 100%, Polyesterstoffe bedruckt im Dampfdurchdruckverfahren,
Einzelelemente je 85 x 160 cm, montiert auf Laufwagen mit Beschwerungsprofil in Laufschienen,
dreiläufig, je sechs Elemente pro Lauf, insg. 0,85 x 21 m



In seiner Malerei thematisiert Romain Finke Farbe in ihren unterschiedlichsten Erscheinungs- und Ausdruckformen. Er befasst sich mit Farbe als Form, als Schichtung, als Rhythmus und Komposition, als Material und nicht zuletzt als Mittel der Erinnerung und des Gedenkens. Statt Bilder an die Wand zu hängen entwickelte er nun für die städtische Kinderkrippe in Großhadern eine in die Architektur integrierte variable Farbkomposition. In das große Fenster, das den Flur über seine gesamte Länge öffnet, installierte er farbige, halbtransparente Polyesterstoffe. Sie funktionieren wie eine Jalousie zum Licht- und Sichtschutz, darüber hinaus erzeugen die im Sonnenlicht leuchtenden Stoffe einen Akkord aus aneinander gereihten Farbfeldern. Vergleichbares findet sich in Finkes gemalten Bildern, wenn er etwa in einer Serie die Farben alter Meister aufgreift und zu Farbrechtecken addiert.

Die Farbinstallation im Fenster besteht aus drei mal sechs Farbfeldern. Im Zentrum jeder Gruppe steht ein Vollfarbton, bei den sich links und rechts anschließenden Tönen nimmt die Sättigung schrittweise ab und die Transparenz zu. Die einzelnen Elemente überlagern sich teilweise und sind verschiebbar, so dass spielerisch eine Unzahl von Farbakkorden erzeugt werden kann. Der Rhythmus der Farben gliedert den langen Flur in eine Abfolge unterschiedlicher atmosphärischer Bereiche und taucht ihn in warmes, freundliches Licht. Bunt, aber nicht schrill lassen die Farben an leuchtende Himmel, an grüne Gewässer und ockerfarbene Erden denken. Von außen betrachtet markieren die Farbjalousien den Ort, der den Kindern gewidmet ist, und setzen, die Sprache des Gebäudes, das heißt hier der Architektur der Moderne aufgreifend, ein fröhliches, dem Kindischen enthobenes Zeichen.

Heinz Schütz

Fotos: Jens Weber