Gabriele Obermaier:
Geschenk, 2011


Kinderhaus Ludwigsfeld - Diamantstraße 10
Architekt: Bogewischs Buero, München
 

Einzelwerk
   

Siliziumtombak, 1,2m x 1,0m x 0,6m



Ein Geschenk steht vor der Kooperationseinrichtung in der Diamantstraße. Dort werden Kinder vom Krippenalter bis zum Schuleintritt betreut. Gut verschnürt in goldglänzender Hülle weckt es die Phantasie des Betrachters. Was könnte da wohl drin sein? Es muss etwas kostbares, etwas besonderes sein, sonst wäre es nicht so wunderschön verpackt. Doch Gabriele Obermaier gibt das Geheimnis nicht preis, was sich in seinem Inneren verbirgt. „Es ist vielleicht immer genau das darin, was Kinder sich gerade wünschen.“, erklärt die Künstlerin. Die Idee für ihre Arbeit bekam sie durch ein Paket, das sie im Keller fand und das ihre Neugierde weckte. Sie öffnete es, betrachtete den Inhalt, verschnürte es wieder und machte es zum Modell für ihre Skulptur. Für die Realisierung vergrößerte sie den geheimnisvollen Inhalt, verpackte ihn erneut und goss die Form in Metall.

Die Hülle als Skulptur zu sehen, den Inhalt dem Blick des Betrachters zu entziehen und so die Aufmerksamkeit auf die Form zu lenken, ist eine künstlerische Strategie von Gabriele Obermaier. Für ihre Skulptur „Weiches Haus“ vor dem Bundessozialgericht in Kassel nähte sie ein verkleinertes Modell des Gebäudes in Filz und goss dieses dann in vergrößerter Form aus Aluminium. Das Harte und das Weiche, das Warme und das Kalte, das Verhüllen und das Zeigen sind spannungsreiche Gegensätze, die Gabriele Obermaier auch in dem Geschenk vereint. In der Farbwahl hat sie sich an der kühlen, silbrig glänzenden Fassade des Gebäudes orientiert und ihr mit der Hülle aus Siliziumtombak einen warmen Goldton entgegengesetzt.

Das Geschenk ist nicht groß und nicht klein, gerade so, dass man darauf klettern kann. Man kann es anfassen, die Kühle des Metalls spüren oder einfach anschauen und sich über das Schattenspiel in den Falten und die Lichtreflexe auf der Oberfläche freuen. Vor dem Eingang der Kooperationseinrichtung ist es ein heiterer Willkommensgruß, der alle Kinder erreicht.

Cornelia Gockel

Fotos: Gabriele Obermaier