Lorena Herrera Rashid:
Süße Schritte, 2012


Haus für Kinder Feldbergstraße 89
Architekt: Atelier Lüps, Schondorf
 

Einzelwerk
   

Fünf Keramiken, glasiert, Höhe jeweils 70 - 110 cm, Durchmesser jeweils 110 - 114 cm, Aluminiumgüsse von drei Schuhpaaren, lackiert



Kinder essen gerne Süßes. Die Künstlerin Lorena Herrera Rashid vergrößert die Deckel von Zuckerdosen und situiert sie als Skulpturenfeld – jede Skulptur ein Deckel – vor dem Haus für Kinder. Die Vergrößerung hebt die plastischen Formen und die Farben des Alltagsgegenstandes hervor und antwortet dem Kinderblick. Aus der Perspektive der Kinder, erscheint die Welt groß, sie wird noch größer, wenn sie begehrt wird. Schuhpaare, die drei der fünf Deckelskulpturen dekorieren, verwandeln diese in potenzielle Sockel und kleine Bühnen. Sie appellieren an die Fantasie der Kinder, imaginäre Rollen zu spielen, in die Schuhe der Erwachsenen zu schlüpfen, sich in die Zukunft zu projizieren. Sie provozieren die Vorstellung, auf den Süßes versprechenden Zucker-Dosen-Deckel-Spitzen zu balancieren, dort für kurze Mittelpunkt zu sein, um wie in einem kleinen Welttheater als „living sculptures“ auf- und abzutreten.

Auch Erwachsene lieben Süßes. Lorena Herrera Rashid ist in Mexiko geboren. Kunstvoll gestaltetes Zuckerwerk wird dort etwa zur Feier am „Tag der Toten“ in Erinnerung an die Verstorbenen verzehrt. So betrachtet ist es auch möglich, das nicht Sichtbare unter dem Deckel mit Vergänglichkeit in Verbindung zu bringen. In diesem Sinne kann auch der leere Raum über den Schuhen, den die Vorstellungskraft mit abwesenden Personen besetzt, nicht nur als imaginärer Ort der kindlichen Zukunft, sondern auch als Projektionsraum der Erinnerung verstanden werden.
Heinz Schütz

Fotos: Hans Engels