Steffen Kehrle:
Infinito, 2013


Unterführung am Harkortweg, Freimann
Architekt: Platzgestaltung: Realgrün, München
 

Einzelwerk
   

Lichtinstallation mit Edelstahlspiegelpaneelen
48 m x 80 cm



Die Unterführung am Harkortweg war ein unwirtlicher Ort: nüchtern, wenig einladend und unregelmäßig beleuchtet. Eine düstere Röhre, die ein Gefühl von Beengtheit vermittelte und bei vielen Menschen Unbehagen verursachte. Steffen Kehrle machte es sich zur Aufgabe, diesen Ort so umzugestalten, dass er für Passanten nicht mehr als unangenehme Strecke empfunden wird. Die Lichtinstallation Infinito ist kein Kunstobjekt, das unabhängig von der Umgebung wahrgenommen werden will und Auseinandersetzung fordert. Der Entwurf entspricht vielmehr dem Anspruch des Designers Steffen Kehrle an künstlerisches Gestalten im Sinne angewandter Kunst, die sich immer durch eine bestimmte Funktion legitimiert. Die Funktion der Unterführung ist die Verbindung der beiden Ortsteile Freimanns auf eine Weise, die keine negativen Emotionen auslöst.

Im Mittelpunkt der Überlegungen des Ateliers Steffen Kehrle stand deshalb das Gefühl, das beim Durchqueren der Unterführung entstehen soll. Es ging nicht darum, einen Ort zum Verweilen zu schaffen, sondern einen ruhigen, ästhetisch ansprechenden Lichtraum zu kreieren, der das Passieren zu einer angenehmen Situation macht. Das Ziel war es, eine klare Lichtsituation herzustellen und Übersicht und Weite zu schaffen.

Zwei 48 Meter lange chromglänzende Edelstahlpaneele, die über die gesamte Wegstrecke auf gleicher Höhe an beiden Wänden angebracht sind, reflektieren die Passanten und die unmittelbare Umgebung. Böschung und Bäume, und auch der Himmel kommen so in die Unterführung hinein. Raumgrenzen werden aufgehoben, ein unendlicher Horizont durchbricht zu beiden Seiten den beengten Raum des Tunnels. Zusätzlich multiplizieren die verspiegelten Platten das einfallende Tageslicht und lenken es in das Innere des Tunnels. All das schafft eine Illusion von Weite.

Die Spiegelung in die Unendlichkeit bringt auch eine spielerische Komponente in den funktionalen Ort. Das eigene Spiegelbild wird wieder und wieder reflektiert.

Ein hinter den Chromflächen angebrachtes LED-Band sorgt für eine einheitliche, warme Lichtstimmung. Die Installation „Infinito“ verwandelte die triste Unterführung in eine offene und einladende Verbindung zwischen Alt- und Neufreimann. Sie schafft eine Atmosphäre der Klarheit und Sicherheit und ein unbewusstes Gefühl des Nicht-Alleineseins.

Sabine Magnet

Fotos: Myrzik & Jarisch