Haubitz + Zoche:
Sieben Flieger, 2012


Fuß- und Radwegtunnel am Pasinger Bahnhof
Architekt: (Sanierung): Baureferat (Ingenieurbau)
 

Einzelwerk
   

keramischer Fotodruck auf Feinsteinzeug
Tunnelwände je 156 x 4,50 m

Am Dienstag den 18.12.2012 um 11.00 Uhr wird, zusammen mit dem Bürgerfest anlässlich der Verkehrsfreigabe der Nordumgehung Pasing, auch der von Haubitz + Zoche gestaltete Fuß- und Radwegtunnel am Pasinger Bahnhof offiziell eröffnet.

Stratus, Cumulus, Cirrus und Nimbus - mit diesen Grundformen hat der Meteorologe Luke Howard 1802 das Naturphänomen Wolke erstmals kategorisiert. Bis dato wurden Wolken aufgrund ihrer schnellen Wandlung für nicht klassifizierbar gehalten. Nicht nur die Wissenschaften, auch die bildenden Künste erschütterte diese Bestimmung. Die Maler der Romantik drückten – in verklärender Naturverbundenheit – ihre Faszination in unzähligen Wolkenstudien aus. Seither sind Wolken beides: Gegenstand der Naturwissenschaft sowie der Künste und zugleich Symbol für Freiheit, Weite, Dynamik. Die Künstlerinnen Haubitz + Zoche bewegen sich mit ihrer Installation „Sieben Flieger“ in diesem Spannungsfeld. Der Betrachter tritt den Wolken aus einer aufgeklärten Perspektive gegenüber, denn er weiß, dass es sich dabei um eine Ansammlung feinster Tröpfchen im Gasgemisch der Luft handelt. Dieser moderne Blick findet seine Entsprechung in den sechs Fliegern, die sich in dem Wolkenpanorama zu beiden Seiten des Tunnels finden lassen. „Sieben Flieger“ werden es mittels der Perspektive, die eine Aufnahme aus dem Flugzeug suggeriert. Nicht nur der vorbeirauschende Fahrradfahrer, sondern auch der Fußgänger meint zu fliegen. Die Installation spielt mit der Sehnsucht nach dem Sicheinsfühlen mit der Natur. Es ist ohne Zweifel ein erhabenes Gefühl, auf Augenhöhe mit den Wolken zu schweben.

Haubitz + Zoche gelingt mit „Sieben Flieger“ eine eindrucksvolle Kontextverschiebung. Sie verwandeln mit ihrem farbintensiven Wolkenpanorama einen unterirdischen Durchgangsort in einen Erlebnisraum, der der üblichen Atmosphäre solcher Orte diametral entgegen steht. In dieser Unmittelbarkeit unterscheidet sich die Installation von traditionellen künstlerischen Himmelsillusionen. In der barocken Deckenmalerei etwa erfolgte die Erweiterung des gebauten Raumes durch die perspektivische Darstellung eines Firmaments. Wolken bilden hier den Übergang zwischen irdischer und göttlicher Sphäre. Dieser barocken Himmelsillusion stellen Haubitz + Zoche eine zeitgemäße Himmelssimulation gegenüber ohne den Ursprung dieses abendländischen Motivs zu vergessen.

Anne Vieth

Fotos: Haubitz + Zoche