Stefan Wischnewski:
Heimspiel, 2011


Bezirkssportanlage an der Thalkirchner Straße 209
Architekt: Pongratz + Sonanini, München
 

Einzelwerk
   

Stahlrahmen lackiert, Fußballtornetze
ca.15 x 3,5 x 6m



Fußbälle zu zerschneiden und neu zusammen zu setzen, das bereitete Stefan Wischnewski nach eigenen Angaben schon als Kind großen Spaß. Eine Begeisterung, die er sich bewahrt hat und der er ansatzweise auch in seiner Skulptur "Heimspiel" gefolgt ist. Dort hat er den Fußball in seine Grundelemente (20 Sechs- und 12 Fünfecke) zerlegt und diese als Kette schwarz lackierter Stahlrahmen gleichsam durch das Treppenhaus der Bezirkssportanlage geschossen, vom Aufzugschacht bis zur Glasfassade. Wie in einer eingefrorenen Zeitlupe ergänzen sich Dynamik und Stillstand dabei zu einem großen Ganzen - in kongenialem Zusammenspiel mit der Architektur des schmalen und hohen Raumes. Skulptur und Umgebung bedingen einander und lassen erst gemeinsam ihre inhärente Ästhetik erkennbar werden. Die Destruktion bestehender Objekte und ihre (oftmals ironisierende) Transformation, insbesondere unter Rückgriff auf Materialien und Symbolik der Sport- und Freizeitkultur, ist zentral in Stefan Wischnewskis künstlerischem Schaffen und findet sich auch in "Heimspiel" wieder. Dort hat er die Fünfecke seines destruierten Fußballs mit Tornetzen in Rot, Gelb und Blau, den Farben der drei Heimatvereine der Bezirkssportanlage versehen - als bewusste Intervention des Sport-Ortes mit seinen Nutzern und Besuchern. Denen liefert die Skulptur nun, von der ästhetischen oder assoziativen Wahrnehmung bis zur kulturkritischen Betrachtung, jede Menge Vorlagen, die jeder für sich selbst in seinen ganz persönlichen Treffer verwandeln kann.

Matthias Supé

Fotos: Marianne Heil