Michael Schumacher:
Linienstruktur, 2011


Haus für Kinder Agnes-Bernauer-Straße
 

Einzelwerk
   

Schwarzer Basalt, 5,80m x 43,60m



Im Zentrum von Michael Schumachers künstlerischer Arbeit steht eigentlich die Stuck-Technik. Mit ihr gelingt ihm stets aufs Neue ein beeindruckender Brückenschlag zwischen konventionellem Handwerk und zeitgemäßer Kunst, flankiert von einer offensiven Offenheit gegenüber der im Zuge der Moderne so geschmähten Ornamentik.
Beide Qualitäten finden sich nun auch in Schumachers "Linienstruktur" auf dem Zugangsweg zum Haus für Kinder Agnes-Bernauer-Straße. Die Bodenarbeit hat zwar mit Stuck nichts zu tun, besticht aber ebenfalls durch den Rückgriff auf klassische Mittel (traditionelles Kopfsteinpflaster aus schwarzem Basalt, das in seinen flächigen Partien auch gleich noch Assoziationen zum guten alten Mosaik weckt), die zugleich eine innovative Formgebung durchlaufen: Linien und schwungvolle Schlaufen, die sich kreuzen, Schnittmengen bilden und auf subtil-charmante Weise die Monotonie der umliegenden Betonplatten-Tristesse durchbrechen. Wie bei den meisten seiner Arbeiten folgte Michael Schumacher auch hier der Devise "Am Anfang war der Strich", ging also von einer grafischen Skizze aus, die er anschließend ins passende Medium übersetzte. Normalerweise ist das bei ihm der Stuck an der Wand, in diesem Fall hingegen der Pflasterstein im Boden. Der Effekt freilich ist der gleiche, denn durch den Eingriff des Künstlers erfährt der Untergrund eine völlig neue, geradezu rhythmisierende Strukturierung. Eine Veränderung seiner ästhetischen Qualität, so "unter-" wie hintergründig, die aus dem schlichten Zugang eine beachtenswerte Bodenfläche macht.

Matthias Supé

Fotos: Wilfried Petzi