Stephan Doesinger:
Goldenes Zelt, 2010


Menaristraße 1
Architekt: Braun und Partner, München
 

Einzelwerk
   

Goldbedampfte Zeltplane, kegelförmige Stahl Konstruktion mit abgesetzter Metallspitze, Höhe 4m, Durchmesser 3,5m, bemal- und bespielbare Innenausstattung.



„Die Kindheit ist eine in goldenes Licht getauchte Landschaft. Nicht für Alle. Nicht immer. Sie liegt in einem Land, das mit fortschreitendem Alter in eine Ferne rückt, gut geschützt durch ein Dickicht aus Erinnerungen. Eine Rückkehr ist unmöglich. Einzelne Geschichten verblassen und verlieren nur ihre Konturen. Was aber immer bleibt ist ein Gefühl, eine Stimmung, die an Andrei Tarkovskis´ Bemerkung denken lässt, wonach das Einzige, woran man sich in einem Film erinnere, das Licht sei. Die Kindertagesstätte erhält ein Gold spiegelndes Zelt, ein seltsames Ufo, eine kegelförmige Raumstation aus einer fremden Welt, ein phantastisches, auratisches Objekt, das den Hof der Kindertagesstätte in warmes Licht taucht. Dabei ist es unwichtig, ob es sich bei dem Objekt um die Spitze einer versunkenen Kirche oder eines Minaretts handeln könnte.“

Mit diesen Worten hat Stephan Doesinger sein poetisches Konzept für Das goldene Zelt beschrieben, das er neben die anderen Spiel- und Turngeräte im Garten der Kindertagesstätte platziert hat. Hergestellt aus Gold bedampfter Plane, versehen mit zwei Eingängen, im Innern ausgestattet mit einer Spieltruhe und Sitzgelegenheiten, bietet es den Kindern die Möglichkeit, sich einzeln oder in kleinen Gruppen von dem oft hektischen Treiben zurückzuziehen und für einen Moment den eigenen Gedanken und Träumen nachzuhängen.

Der österreichische Künstler Stephan Doesinger lebt seit Jahren in München und setzt sich in seinem – auch theoretischen Werk – mit dem Verhältnis von Innenraum und Außenraum, weiterführend von Privatheit und Öffentlichkeit sowie dem Verhältnis des virtuellen Raums zum physischen Raum auseinander, Aspekten also, die auch im Goldenen Zelt eine zentrale Rolle spielen.

Darüber hinaus geht es Doesinger aber um die Anwesenheit des Lichts und – je nach Sonneneinfall und Tageszeit - seiner wechselnden Stärke und Intensität. In allen Religionen und Kulturen der Welt wird das Licht als das „Leben des Lebens“ verstanden. Ein wenig davon in den Garten der Kindertagesstätte zu holen, ist Stephan Doesinger sicherlich gelungen…

Florian Matzner

Fotos: Christoph Mukherjee