Roland Fässer:
Fensterfresser, 1998


Kooperationseinrichtung - Ingolstädter Straße 229
 

Einzelwerk
   

Gestaltung der Glasfassade



Krokodile haben Kinder zum Fressen gern, und umgekehrt ist es ganz ähnlich: Neben Elefanten, Löwen und Affen zählen Krokodile zu den Stars der Kinderwelt. Denn erstens haben sie eine faszinierende Ähnlichkeit mit feuerspeienden Drachen, zweitens erscheinen sie wunderbar gefährlich, wenn sie ihr Maul aufreißen, aber drittens sind sie in Wirklichkeit überhaupt nicht gefährlich, weil der Kasperl ihnen immer eins mit der Pritsche auf die Nase gibt und sie ganz schnell in die Flucht schlägt. Hinter der gläsernen Fassade des Kindergartens und der Kinderkrippe an der ehemaligen Panzerwiese-Ost tummeln sich gleich drei dieser phantastischen Wesen. Der Schweizer Künstler Roland Fässer hat ihnen nur die Kontur und jeweils ein Auge gelassen, alles aus wunderschönem, dicken Fichtenholz. Aber sie sind riesig wie Dinosaurier. Eines kommt aus der Hauswand heraus und öffnet schon sein Maul, um ein blau gerahmtes Fenster zu fressen. Eines kriecht hungrig aus einer anderen Fassadenwand hervor, um die blaue Eingangstür zu verschlingen. Und das dritte watschelt behäbig um die Hausecke, den Schwanz hoch über der Eingangstür erhoben und das Maul weit geöffnet. Die Glas-Stahl-Konstruktion der Fassade lässt den Blick auf Fässers Holzsilhouetten von drinnen und draußen zu. Die Transparenz und die gleichzeitige Spiegelung des Glases erweitert die märchenhafte Krokodilswelt um den Himmel, die Wiese, die Kinder vorm Haus und im Treppenhaus. So werden auf ganz selbstverständliche, spielerische Weise nicht nur Innen- und Außenbereich miteinander verknüpft, sondern vor allem Phantasie- und reale Welt. C.N.

Fotos: Heinz Pfahler