Masayuki Akiyoshi:
Forst


U-Bahnhof Moosacher St.-Martins-Platz
Architekt: P. Kramer und J. Wiedemann, Baureferat
 

Einzelwerk
   

76.160 Einzelfotos, Digitaldruck auf Aluminiumpaneele
Nordwand: 5m x 117m, Südwand: 5m x 135m




Manchmal muss man in den Untergrund hinabsteigen, um die Welt in ihrer Vielfalt zu begreifen. So wie am U-Bahnhof „Moosacher St.-Martins-Platz“: Dessen Wände bieten ein Foto-Mosaik dar, das eine Fülle von Eindrücken zur detailreichen Gesamtansicht des Viertels zusammensetzt. Masayuki Akiyoshi schuf für die Station anhand von 76.160 Fragmenten aus der Oberwelt eine fünf Meter hohe und 117 bzw. 135 Meter lange digitale Raum-Installation, die er „Forst“ nennt, nicht zuletzt weil er unter der Erde einen „Wald aus Bildern“ wachsen ließ. Und so wie das Moos Urgrund und Nährboden für den Wald ist, so schimmert das Grün aus Moosachs Gärten wie ein Urgrund des Foto-Gemäldes an vielen Stellen durch.

Akiyoshis 11 x 15 cm große Lichtbilder sind für ihn „Wurzelstückchen der Über-Tage-Welt“. Man entdeckt rote Kaugummiautomaten und blaue Tonnen, gelbe Schilder und grüne Garagentore – und unzählige Blumen ebenso wie die beiden Martinskirchen oder reiche Ziergiebel alter Häuser. Während für den Betrachter aus dem U-Bahnfenster in der Nahsicht das Einzelmotiv erkennbar ist, dominiert für den Wartenden auf dem Bahnsteig das große Ganze. Akiyoshis Thema ist die Darstellung von Räumen – mal mit, mal ohne „Lebensspuren“. In seiner Kunst bringt er das Dreidimensionale in die Fläche. Wie auch in „Forst“. Dieser bildet zudem örtlich und zeitlich eine Einheit: Es zeigt Moosach im Zyklus der Jahreszeiten. Der Künstler spazierte ein Jahr lang jede Woche mehrmals mit der Kamera durch die Straßen. Die Anordnung der Bilder entspricht der Reihenfolge seiner Aufnahmen. Man kann also im Uhrzeigersinn dem Wandel von Sommer, Herbst, Winter und Frühling folgen und in der Vertikalen nahezu den Weg des Künstlers nachvollziehen. So weitet sich die Wartezeit auf den nächsten Zug zur Zeitreise – und macht Lust auf den echten Stadtrundgang.

Roberta De Righi

Fotos: Florian Holzherr