Martin Fengel:
o.T., 2010


U-Bahnhof Moosach
Architekt: P. Kramer, N. Glock und M. Rossiwal, Baureferat
 

Einzelwerk
   

Fotografie, Digitaldruck auf Aluminiumpaneele Nordwand: 141 m, Südwand: 139 m



Martin Fengel hat keine Angst vor Dekor. Im Gegenteil: er instrumentalisiert es. Großformatige Blütenmotive lässt der Fotograf auf die Metallwandverkleidung der Bahnsteigwände drucken. Leuchtende Farben stehen auf Weiß. Ein schwarzer Umriss präzisiert das langgestreckte Doppelbild zur Collage. An kantige Äste sind Blüten montiert, komplette Strukturen auf den Kopf gestellt. Außerdem treten auf, beeindruckend überdimensoniert: Biene, Schnecke, Fliege und Heuschrecke. Der Künstler übertreibt gewaltig – und stellt sich so der Größe des 7,60 m hohen Raumes im Untergrund. Gleichzeitig möchte der Künstler, dass sich die Wartenden an einem öffentlichen Ort wie einer U-Bahnstation wohl fühlen. Man soll sich dort aufhalten wollen.
Während seiner Recherchen streifte Martin Fengel durch das Viertel und hat dabei als charakteristisch beobachtet, dass Moosach an der Schnittstelle zwischen Stadt und Umland liegt. Dort finden sich traditionell viele Gärten. Es beginnt das Grün. Aus diesem Grund hat der Fotograf die Moosacher eingeladen, ihm Blumen zu zeigen, Blumen, die ihnen wichtig sind. Zuhause im Balkonkasten, in der Vase, im Blumentopf oder im Garten, ganz egal. Diese Fundstücke hat er vor Ort aufgenommen und später ausgewählt und zusammengeführt.
Alle Motive sind stark angeblitzt – Martin Fengel ist bekannt für seine beiläufigen Erkundungen der Oberfläche, Reflexe, den Glamour des An-Blicks. Eine schlichte Beobachtung transformiert er durch diesen Kunstgriff zu mehr, viel mehr, und versteht so, die Aufmerksamkeit einzufangen, festzuhalten – so lange bis die U-Bahn einfährt.

Swantje Grundler

Fotos: Christoph Mukherjee