Martin Dessecker:
Anna am Draht, 2010


St.-Anna-Gymnasium
Architekt: Generalsanierung und Erweiterung: Karl + Probst, M
 

Einzelwerk
   

10 Objekte, je ca. 20 x 30cm – 150 x 500cm (Größe variabel)
LED-Strahler, LED-Objekte, mixed media (Pingpong Bälle, Pappe, Draht, farbige Filterfolien, Kabel, Leuchtmittel und Kunststoffmüll)
Roter Faden: 8mm Aluminiumdraht rot beschichtet




Der Eisbach, der durch den Englischen Garten strömt und auf dessen erster Welle die Surfer reiten, wenn das Wasser unter der Prinzregentenstraße hervor kommt, fließt zuvor unterirdisch durch das Lehel. Im St. Anna Gymnasium wird seine Kraft genutzt: Ein Wasserrad treibt einen Generator an und erzeugt Strom, eingespeist in das öffentliche Netz. Betritt man die Schule an der südöstlichen Ecke des Pausenhofs, stößt man bald auf ein Fenster, das den Blick hinunter auf das Wasserrad freigibt. Von dort steigt als roter Faden eine freilich nur symbolische Leitung zur Decke und mäandert in der Folge durch die verzweigten Treppenhäuser und Flure. Einem eigenständigen Organismus gleich entwachsen dieser Leitung an unterschiedlichen Stellen der Schule filigrane Gebilde aus Draht und Pappe, aus transparenten Folien und kleinen Lichtobjekten. Da flimmern Pingpong-Bälle und glimmen Lämpchen. Über 6-Volt-Trafos werden die LEDs befeuert. Martin Dessecker hat diese schwebenden Skulpturen als Work in Progress installiert. Er gibt eine offene Struktur vor, die für die Schüler Mitarbeit und Veränderung möglich macht: Wer will, kann – etwa im Rahmen des Kunst- oder Physikunterrichtes – die feinen Gebilde erweitern. So existieren diese Kunstwerke als zartes, wandelbares Spiel aus Objekten und Licht, von Schatten und Materie. Und sie verweisen auf die Energie, die im Keller der Schule erzeugt wird. „Licht ist für mich als bildender Künstler ein wesentliches Medium“, sagt Martin Dessecker, „aber meist nimmt man es als etwas Selbstverständliches hin. Durch meine Installation möchte ich ein anderes Bewusstsein vermitteln: Jeder kann mit Licht gestalten.“

Moritz Holfelder

Fotos: Jens Schwarz, Jens Weber