Christian Engelmann:
Videograffiti, 2009


Grundschule Gänselieselstraße 31 und 33
Architekt: Sanierung: Färbinger + Rossmy
 

Einzelwerk
   

Medienplattform (2 Tageslichtbeamer, Server, Videokamera, Fotokamera, Schnittprogramm und autarke Beamersteuerung), Film-Workshop und Schulung Schnittprogramm.
Technische Unterstützung bei der Fertigstellung des Films durch Christian Hemprich.




Sie spielen als kindliche Laiendarsteller die Produktion einer überschaubaren Filmcrew durch. Schüler der dritten Klasse teilen die Rollen unter sich auf und liefern sogar via Flötenspiel den Soundtrack zu einem 7-minütigen Film von Christian Engelmann. Ein geglückter Modellversuch: Die Grundschule in der Gänselieselstraße stellte die sommerliche Location im Freien. Stoff ist das Märchen „Rotkäppchen“ und als Regisseur zeichnet bewusst zurückgenommen der Bildhauer und Konzeptkünstler Engelmann verantwortlich. Das Drehbuch hält sich akribisch an die Märchenvorlage, umso größere Freiheit hatten die Youngsters beim Entfalten ihres darstellerischen Potentials. Man sieht ein jetztzeitiges Rotkäppchen humoresk den altbekannten Weg in den Bauch des Wolfs und wieder zurück wandern. Die Episoden wurden in Zusammenarbeit mit den Videokunstexpertinnen Susanne Wagner und Melanie Stiehl pointiert in Szene gesetzt. Als Auftakt eines offenen Gestaltungsangebots für die Schulkinder der Gänselieselstraße ist der Film an die Nordwand des neuen Erweiterungsbau projiziert. Engelmann setzt in seiner medialen Plattform auf eine souveräne Weiterentfaltung des Projekts. Letztlich liefert er vor allem das Display für weitere kreative Prozesse der Kinder: unter anderem eine Filmkamera, einen Fotoapparat, ein Schnittprogramm ... Das performative Erproben der Identität im Rahmen des Filmischen kann ebenso eingeübt werden wie der technische Umgang mit den Neuen Medien. Engelmanns Coup in dem „Videograffiti“ betitelten Projektionsdisplay besteht darin, dass er eine kollektive Teilhabe der Kinder am Videoprogramm förmlich herausfordert.

Birgit Sonna

Fotos: Peter Schinzler