Christoph Girardet:
Der Krake, 2009



Architekt: a+p Architekten
 

Einzelwerk
   

Bedruckte Folie auf Fensterglas, 270 x 270 cm
Computergesteuerte Videoprojektion, 270 x 270 cm
Buch, 9,5 x 13 cm, 120 Seiten, 2.000 Exemplare




Metaphorisch spiegelt „Der Krake“ die Funktionen des Gebäudes: Kommunikation – Forschung – Lehre – Archiv. Die Arbeit besteht aus drei Teilen. Am Tag ist von innen auf dem Foyerfenster der Volkshochschule im dritten Obergeschoss der kulturphilosophische Essay „Vampyroteuthis infernalis“ von Vilém Flusser zu lesen, in dem dieser Bezüge zwischen Mensch und Krake herstellt. Doch schon aus kurzer Distanz erscheint der Text wie eine abstrakte, zeichenhafte Struktur. Bei Nacht wird diese zur Projektionsfläche für Bilder der Tiefsee, in denen für seltene Momente der legendäre Vampirtintenfisch Vampyroteuthis infernalis von der Straße aus zu sehen ist. Aus der Bibliothek kann die enzyklopädische Kompilation „Cephalopoda. Aus den Tiefen des Weltmeeres“ mitgenommen werden.

Die verschiedenen Teile des Werkes sind nie gleichzeitig erfahrbar: der Betrachter kann entweder die Tag- oder die Nachtseite wahrnehmen. Einzig das Buch – die Installation begleitend, und zugleich ein Teil davon – verbindet beide Ansichten, sozusagen als ein Stück Kunst am Bau, das mit dem Besucher das Gebäude verlässt. Wie der Prozess der Bildung selbst erfordert auch die Wahrnehmung der Kunst in diesem Gebäude Geduld, Disziplin und Zeit. Sie drängt sich nicht auf. Sie macht sich rar. Sie will entdeckt werden. Doch hat man sie einmal entdeckt, entwickelt sie ihre ganz eigenen Sogkräfte. „Der Krake“ folgt der Intention Flussers, das wissenschaftliche Denken mit den Mitteln der Fabel zu überwinden. Oder mit den Mitteln der Kunst.

Fotos: Christoph Girardet