Hans und Maria Rucker:
Schnecke, 2008


Kooperationseinrichtung Riemerschmidstraße 69
Architekt: Klemens Lenz
 

Einzelwerk
   

Bardiglio-Marmor, 130 cm lang, 100 cm breit, 115 cm hoch

Wettbewerbsentwurf 1997 von Hans Rucker
Überarbeitung und Ausführung 2005-07 von Maria Rucker




Tief im Innern einer Muschel oder Meeresschnecke dem Rauschen des Ozeans zu lauschen - das ist zumindest für Kinder noch etwas absolut Mögliches. Wie schön muss es da erst sein, in eine solche Behausung hinein kriechen zu können? Mit Maria Ruckers Schnecken-Skulptur haben die Kinder der Kooperative Riemerschmidstraße dazu nun die Gelegenheit bekommen. Zumindest ein kleines Stück weit, denn dann erblicken sie sich selbst - in einem Spiegel, der den weiteren Weg versperrt, aus anderer Perspektive aber zugleich die Illusion einer Röhre erzeugt. Neben der Assoziation des "Hörens" ist dieser optische Effekt einer von mehreren sensorischen Stimuli der Skulptur, die Maria Rucker nach einem Entwurf ihres Vaters Hans Rucker gestaltet hat. So weckt etwa die dunkle, glatt polierte und matt-schimmernde Oberfläche des massiven Marmorkörpers beim Betrachter den unbedingten Wunsch, sie zu berühren. Ein haptischer Reiz, den die Bildhauerin ganz gezielt gesetzt hat. "Die Skulptur richtet sich an Kinder und soll zum Spielen und Erkunden einladen," sagt Maria Rucker. "Deswegen ist sie nicht hart und kantig, sondern weich und organisch."
Letztere Eigenschaft liegt der Künstlerin sehr am Herzen, bewegt sie sich in ihren Arbeiten doch immer wieder im Spannungsfeld zwischen organischen und streng geometrischen Formen. Mit der Schnecke hat sie nun ein Objekt geschaffen, das sogar beide dieser Qualitäten vereint - und den Kindern der Tagesstätte darüber hinaus ein Kunstwerk beschert, in dem es sich trefflich hören, schauen und spielen lässt.

Matthias Supé

Fotos: Peter Schinzler