Alexander Laner:
Ab durch die Mitte, 2008 / 2009


Nordhaideplatz
(U-Bahnstation Dülferstraße)
Architekt: Baureferat Hochbau
 

Einzelwerk
   

Kunstobjekt mit Wasser
durchgefärbter anthrazitfarbener Beton, Edelstahl, Wassertechnik
16 x 5,50 x 0,03 m




Wie von Geisterhand gesteuert bahnt sich der aufrührerische Wasserzug seine Schlangenlinie durch das flach gehaltene Bassin. Im Zufallsrhythmus prescht die Wasserfontäne von ihrem Startpunkt aus los, um nach absolvierter Wegstrecke im Untergrund zu versickern. Ein Wunderwerk an pneumatischer Choreografie, zu dessen unterirdischer Schaltzentrale nur Eingeweihte über den Kanaldeckel vordringen können. Alexander Laner hat in Erfinderpassion zusammen mit dem Techniker Pancho Schlehhuber unter dem abgesenkten rechteckigen Betongeviert eine technisch raffinierte Anlage für sein „Kunstobjekt mit Wasser“ eingerichtet. Die Passanten des zentralen Platzes der Nordheide dürfen sich hingegen ungestört von elektronischem Beiwerk an der ebenso routiniert wie minimalistisch bis zur Kniehöhe aufspritzenden Brunnenanlage erquicken. Für die dauerhafte Wasserperformance „Ab durch die Mitte“ wurden eigens Düsen entwickelt, die das in Umlauf gebrachte Wasser schwall- und kaskadenartig abgeben. Wie am Fließband taucht auf den Wasserdruck hin je eine Düsenbatterie aus der Versenkung im Wasserbecken auf, um abgelöst von der nächsten dort wieder zu verschwinden. So zieht der körperlose Dampfer bei 30 Stundenkilometer seine dynamische Kurvatur im öffentlichen Raum. Für Minuten glättet sich der Wasserspiegel nach getaner Aktion wieder. Laner, der unter anderem bereits in Museumsräumen Tontauben abschoss, beweist einmal mehr rebellischen Präzisionsgeist. Für sein Wasserspiel der etwas anderen Art hatte er nicht umsonst eine durch Pfützen flitzende Vespa im Sinn.
Birgit Sonna

Fotos: Wilfried Petzi