das änderungsatelier:
ALITTLEMORELOVE, 2008


Stadtquartier Nordheide - Heidefläche am Nordende des Frauenmantelangers
 

Einzelwerk
   

Mehrteiliges Konzept: Bootssteg, Gondel, Anlegepfosten, historisierende Laterne mit Parkbank, Löwe, bestehende Mauer mit einem Zitat aus Thomas Manns Novelle „Tod in Venedig“ farbig neu gefasst, Performance „Schäfer-Stündchen“ und Markus-Fest (mit Schiffs



Venedig - allein das Wort weckt Assoziationen. An noble Palazzi, den Canal Grande oder singende Gondolieri. Elemente dieses Sinnbilds unserer Träume von der Ferne hat „Das Änderungsatelier“ (Georg Schweitzer & Frau Stemmer) mitten in ein „ganz normales“ Neubaugebiet am Stadtrand von München verpflanzt: in die Nordheide. Der Titel ALITTLEMORELOVE ist programmatisch zu verstehen: durch die Romantik, die das venezianische Klischee unentrinnbar mit sich bringt, sollen die Anwohner im Idealfall eine positive Identifikation mit ihrem Quartier entwickeln.
Die installierten Objekte wie Anlegepfosten, Gondel, Holzsteg, historisierende Laterne mit Parkbank – beides als Referenz an Venedig leicht eingesunken - und auch die Löwenskulptur zielen dabei primär auf sinnliche Erfahr- und Nutzbarkeit und erst danach auf einen konzeptionellen Bedeutungshorizont, der sich dem Betrachter erschließen kann, aber nicht muss. So ähnelt das angrenzende Naturschutzgebiet durchaus einem Meer, erinnern die Anger der Heide an die Kanäle der Lagunenstadt. Zudem plante Kurfürst Max Emanuel einst tatsächlich auch einen Wasserweg von der Residenz bis zum Schloss Schleißheim, die die heutige Nordheide durchquert hätte. Diese konkret-historischen wie interpretatorischen Bezüge sind aber nicht als Vorgabe sondern nur als Vorschlag zu verstehen, ebenso wie die subtil-christliche Metaphorik, die in den meisten Arbeiten des Karlsruher Künstlerduos auftaucht und sich bei ALITTLEMORELOVE etwa in der Gondel wiederfindet, die gleichsam als Arche dient. Als romantischer Schutzraum gegen die Widrigkeiten urbaner Lebenswirklichkeit. Und wo könnte man besser in Romantik schwelgen, als auf den Wellen eines imaginären Canal Grande?

Matthias Supé

Fotos: Peter Schinzler