Heike Döscher:
Groß Klein - Zimmer im Freien, 2007


Kinderkrippe Karl-Erb-Weg
Architekt: Grill & Köppel
 

Einzelwerk
   

Wandmalerei ca. 6 x 8m, Holzmöbel, gemalte Möbel/ Drehknöpfe, Lampe, Vorhang



Selten dürfte die Frage, ob auch die täglichen Nutzer eines Gebäudes etwas von der schönen Kunst am Bau haben, so eindeutig und positiv zu beantworten gewesen sein wie hier.

Heike Döscher hat im Außenbereich der Kinderkrippe einen eher toten Winkel zwischen Schallschutzmauer und Geräteschuppen in eine benutzbare und zum Spielen anregende Kinderwelt verwandelt. Ein Vorhang, eine Sitzecke, eine von Kinderhand schaltbare Lampe, ein gemalter Herd mit real drehbaren Knöpfen, eine gemalte Kommode, deren Türen ebenso klappbar sind wie die der tatsächlichen: mit einfachen Mitteln wird der Außenraum zum kindlich dimensionierten Interieur.

Die spannungsreichen Verschiebungen zwischen Innen und Außen, Groß und Klein, Schauwert und Gebrauchswert setzen sich fort, indem der Geräteschuppen von Ferne selbst wieder einer doppeltürigen Kommode gleicht und die gesamte Lärmschutzwand sich durch ein aufgeblasenes Tapetenmuster aus Akanthusranken als Zimmerwand ausgibt. Damit schlägt Heike Döscher einen Bogen zu ihrer autonomen künstlerischen Arbeit, bei der immer wieder aus trivialen Mustern durch Vergrößerung und Kontextverschiebung schlummernde Reste von Erhabenheit freigelegt und mit unerwarteten Materialien bürgerliche Wohnsituationen angedeutet werden.

Hier jedoch treibt die Künstlerin gewissermaßen doppeltes Spiel: während die Kinder sich an der Welt im Kleinen freuen können, bleibt auch den Großen genug Spielraum für eigene Reflexionen über unterschiedliche Perspektiven und die Zusammenhänge von funktionalen, ornamentalen und erzählerischen Aspekten.

Peter T. Lenhart

Fotos: Heike Döscher