Sabine Funke:
BBZ München, Malerei auf Wand, 2007 - 2011


Berufliche Schulen am Simon-Knoll-Platz 3
Architekt: Fritsch + Tschaidse, München
 

Einzelwerk
   

Acrylfassadenfarbe, zwischen 4,80 x 3,20 m bis hin zu 1,40 x 1,40 m



„Farbe spricht direkt die Gefühle an und ist in gleicher Weise offen wie Musik, ohne bestimmte Inhalte vorzugeben. Die freie Anordnung von Farbklängen regt die Betrachter zu einer verfeinerten Wahrnehmung von Farbe und Raum an.“ Mit diesen Worten hat die Karlsruher Künstlerin Sabine Funke ihr Konzept für die Farbgestaltung des Erweiterungsbaus und der umfangreich sanierten Bestandsbauten der Berufsschule beschrieben. Die Eingangshalle des Erweiterungsbaus ist von einer elegant geschwungenen Freitreppe geprägt, die in Halbkreisen jeweils ein Stockwerk mit dem nächst höheren verbindet. In den offenen Fluren, die die Halle umlaufen und den Neubau mit dem Altbau verbinden, sowie in den Flurbereichen des Altbaus, verschmelzen die Wandmalereien der Künstlerin mit der Grundfarbe der Wände sowie dem Bodenbelag zu einer ästhetischen Einheit. Die Intention des Farbkonzeptes ist es, eine Verbindung zwischen Neubau und Altbau zu schaffen.

Sabine Funke hat für die Farbklänge verschiedene Mischungen und Nuancen verwandt: drei Grüntöne, zwei Grautöne, drei Orangetöne sowie zwei Rottöne. In unterschiedlichen Formaten sind diese Farbfelder direkt auf die jeweilige Wand als Trägermaterial aufgetragen, so dass sich – anders als beim klassischen Tafelbild – eine Verbindung von Malerei und Architektur ergibt und die Malerei Bestandteil des Raumes wird. Die monochromen Farbflächen sind entweder gleichberechtigt nebeneinander gesetzt oder sie sind in verschieden großen Formaten übereinander gelegt, so dass sich hier formale Dialoge und optisch unterschiedliche Raumtiefen ergeben. Die Fläche wird in die Tiefe weiterentwickelt, es geht um das Verhältnis von Zwei- und Dreidimensionalität, um das Erschaffen von Farbräumen. Die Künstlerin hat auf die konzeptuelle Nähe ihrer Wandmalereien zur Musik verwiesen, wenn sie davon ausgeht, dass verschiedene Farbtöne zu einem Farbklang werden. Darüber hinaus geht es ihr um die harmonisierende Wirkung solcher Farbklänge, um Meditation und Kontemplation. In der beschleunigten Zeit unseres Alltags wird die Halle mit ihrer Treppe durch die Farbgestaltung gleichsam „entschleunigt“: Die monochromen Raumbilder werden so zu Bildräumen der menschlichen Phantasie.

Florian Matzner

Fotos: Peter Schinzler, Sabine Haubitz