Jason Rhoades:
Sweet Brown Snail, 2003/ 2007


Theresienhöhe, zentraler Platz am Verkehrszentrum - Am Bavariapark
Architekt: Sandmeier, Adolphs und Grünberger, Baureferat
 

Einzelwerk
   

In Zusammenarbeit mit Paul McCarthy

Fiberglas bemalt,
4,50 x 6,30 x 3,90 Meter




Als Jason Rhoades eingeladen wurde, im Neubaugebiet Theresienhöhe* eine Arbeit für den Platz vor dem Verkehrszentrum des Deutschen Museums zu realisieren, stand der Vorschlag im Raum, an diesem Ort das Thema „globale Geschwindigkeit“ aufzugreifen. Rhoades reagierte mit einer Schnecke, jenem Tier also, das als sprichwörtlich langsam gilt, das aber auch, äußerst mobil, sein „Haus auf dem Rücken trägt“.

Die süße braune Schnecke ist die monumentale Vergrößerung einer Nippesschnecke und steht in enger Verbindung mit einer Serie anderer Arbeiten. Ende der neunziger Jahre hatte Jason Rhoades zusammen mit Paul McCarthy – die beiden renommierten Künstler stammen von der US-amerikanischen Westküste – die so genannten „Proppositions“ entwickelt. Das Wort erscheint auf den ersten Blick wie eine Falschschreibung des englischen „Proposition“ (Vorschlag). Es kann aber auch als eine Addition aus „Prop“ (Eigentum) und „Position“ gelesen werden, was dann etwa soviel bedeutet wie Besitz in Relation zu seiner Position oder das in Position gebrachte Eigentum.

Eine der „Proppositions“ besteht aus dem Nippesinventar eines Kioskes, das die beiden Künstler vollständig angekauft hatten und als „Propposition“ im Kunstkontext wieder verkauften, Die „Sweet Brown Snail“ basiert auf einer Schnecke des ehemaligen Kioskbestandes. Die Übertragung des kleinen, für heimelige Innenräume bestimmten Vorbildes in eine für den öffentlichen Außenraum bestimmte Großskulptur aus Fiberglas betreibt ein Spiel mit Emotionen und Maßstäben. Dem Putzigen der Schnecke steht ihre Ehrfurcht gebietende Größe entgegen. Vor der Schnecke erscheinen die Passanten klein und doch wird das im Nippesvorbild angelegte Niedliche damit keineswegs zum Verschwinden gebracht. Die „Sweet Brown Snail“ zielt auf emotionale Identifikation und rationale Distanzierung. Gleichzeitig funktioniert sie im Zeitalter zunehmender Beschleunigung als ein ironisches Zeichen für das auf der anderen Seite des Platzes gelegene Verkehrszentrum.

Heinz Schütz

Fotos: Wilfried Petzi