Albert Hien:
Ohne Titel, 2007


Grundschule Manzostraße 79
Architekt: Keiner - Balda Architekten
 

Einzelwerk
   

Kupfer, Edelstahl, Lautsprecher, 3,9 x 9,5 x 6,0 m



Eine seltsame Szenerie: Rund 30 Kästen und Kisten hängen im Innenhof der Manzoschule und bilden so eine dachartige Konstruktion, die über den Köpfen der Schüler zu schweben scheint. 32 Metallkästen, in ihrer äußeren Form ebenso Skulpturen wie Architekturen, die wie zufällig eine urbane Struktur modellieren. Doch diese im Nichts schwebende Kleinstadt kann zum Leben erweckt werden, denn die Kästen beherbergen darüber hinaus Lautsprecher, die diese Installation mit dem topographischen Umfeld der Grundschule verknüpfen und die Schüler aktiv in das Kunstwerk mit einbeziehen.
In der Vorbereitung seiner Raum-Klanginstallation hat der Münchener Künstler Albert Hien in Kooperation mit den Lehrern und Schülern der Manzoschule ein Archiv heimischer Brutvogelarten erstellt, das im benachbarten Biotop Angerlohe dokumentiert und registriert worden ist. Dieses Klangarchiv von Vogelstimmen können die Schüler jetzt im Innenhof selbst aktivieren: Tritt man in eine der Lichtschranken unter einem Lautsprecherkasten, ertönt der hier archivierte Vogelgesang, so dass „je nach Anzahl der agierenden Kinder in spielerischer Bewegung ein vielstimmiges Vogelkonzert intoniert werden kann“ wie der Künstler in seinem Projektvorschlag formuliert hat.
Innenhof und Außenraum, Architektur und Biotop, Kunst und Natur – und weiter: Installation und Intervention, passives Kunstwerk und aktiver Betrachter und Zuhörer. In diesem konzeptuellen Spannungsfeld bewegt sich Albert Hien mit seiner Installation, die die Grundschüler in die Entwicklung und Realisierung einbindet, sie zu einem aktiven Bestandteil des Kunstwerks selbst werden lässt, das erst in der Benutzung durch die Schüler vollendet wird und das sich so mit jeder Benutzung immer wieder neu und anders definiert.

Florian Matzner

Fotos: Stefan Müller-Naumann