Martin Christiansen:
Turm-Skulptur, 2005


Kindertagesstätte Birkenfeldstraße 1
Architekt: Felix + Jonas
 

Einzelwerk
   

Verkleidung einer freistehenden Stahltreppe mit zweifarbigen Kunstharzplatten,
10,80 x 5,60 x 5,60 Meter




Türme sind ohne Treppen nicht denkbar. Der Treppenturm hingegen dient der Ummantelung einer Treppe. Er umschließt sie und schützt ihre Benutzer. Durch den Treppenturm an der städtischen Kindertagesstätte in der Birkenfeldstraße gelangen die Kinder über zwei Brücken aus den oberen Stockwerken direkt in den Garten.

Die Stahltreppe ist an Vierkantstäben befestigt, dem Gerüst des Turms. Bei der Fassadengestaltung verwendet Martin Christiansen zweifarbige Kunstharzplatten. Ovale Öffnungen an den Seiten und oben erlauben Durchblicke von außen und innen und schützen den Treppenlauf. Gleichzeitig entsteht dadurch ein Überraschungseffekt, da die Funktion des Turms auf den ersten Blick nicht erkennbar ist.

Christiansen erreicht die auch in seinen Holzskulpturen so typischen Schwingungen hier durch die schräg liegenden konkaven und konvexen Zwischenräume. Mit dem ebenso gestalteten Dach wirkt der Turm von außen dadurch wie eine der Skulpturen des Künstlers. Innen bieten sich in den Durchblicken faszinierende Ausschnitte der Umgebung, die – durch die ovalen Formen gesehen – wie Bilder wirken. Hinzu kommt das Orange auf den Innenseiten der Platten. Es entsteht ein leuchtender Farbraum, in den durch die Öffnungen das Blau des Himmels sowie das Grün von Wiese und Bäumen eindringt und Kontraste bildet. Das silbrige Grau der äußeren Seiten der Platten passt sich der Metallfarbe der Brücken und dem Beton des Bodens an und gibt dem Orange die Chance, sichtbar zu bleiben. Die geraden Formen von Treppe und Vierkantstäben werden durch die geschwungenen und schräg liegenden Formen der Verkleidung rhythmisiert und treten miteinander in einen spannenden Dialog.

Susanna Partsch

Fotos: Ingrid Scheffler