Lena Bröcker:
TUTA, 2005


Kinderkrippe Dillingerstraße 14
Architekt: Glaser Architekten
 

Einzelwerk
   

40 Allwetteroveralls aus Sympatex und Cordura



Die Münchener Künstlerin Lena Bröcker erweitert und vollendet mit ihrem Kunst-Projekt TUTA das bauliche Grundkonzept der Kinderkrippe, das einen fließenden, transparenten Übergang zwischen Innen und Außen, zwischen Architektur und Garten vorsieht. Diesem Aspekt folgt Lena Bröcker, wenn sie anstelle traditioneller „Kunst am Bau“ ein außergewöhnliches Projekt realisiert hat, das den Spiel- und Bewegungsdrang der Kinder funktional und ästhetisch „unterstützt“ und den großzügigen Park vor allem auch bei schlechtem und kaltem Wetter jederzeit benutzbar macht.

Die TUTA wurde übrigens von den italienischen Futuristen um 1910 entwickelt und bezeichnet einen Arbeitsanzug oder Overall. Hier ist es ein auf die Bedürfnisse eines Kleinkindes „zugeschnittener“ Allwetteranzug, der in einer Auflage von 40 in Kooperation mit der Modedesignerin Anke Dezius produziert worden ist. Jeder Anzug hat ein anderes Tierlogo, das jedem einzelnen Kind die Identifikation „seines“ Anzuges erlaubt und das sich am entsprechenden Garderobenplatz wiederholt. Zusammengefaltet kann TUTA in einer kleinen Umhängetasche verstaut werden und so zum Beispiel bei Ausflügen bequem mitgenommen werden. Das einheitliche Aussehen der Kinder erinnert sicherlich an Schuluniformen, darüber hinaus wird aber auch gewährleistet, dass die Kinder – unabhängig vom Einkommen oder der Fürsorge ihrer Eltern – alle gleich gut vor Kälte und Regen geschützt sind. Zudem erlaubt die orangene Warnfarbe der Anzüge den Erziehern, „ihre“ Kinder – zum Beispiel bei einem Ausflug – schnell und zweifelsfrei zu identifizieren.

Mit ihrem Projekt TUTA überschreitet Lena Bröcker ganz bewusst die Grenzen zwischen Bildender Kunst und Mode, zwischen Handwerk und Design, aber auch zwischen funktionaler Architektur und funktionsloser Skulptur: „TUTA ist eine mobile Schutzarchitektur, ein Gestaltungselement im Innen- und Außenraum, Regen- und Kälteschutz, Uniform und Spielzeug.“

Florian Matzner

Fotos: Lothar Reichel