Markus Stangl:
Ohne Titel, 2006


Kooperationseinrichtung Leschkircher Straße 11
Architekt: Fritsch + Tschaidse
 

Einzelwerk
   

Fünf Kugelsegmente aus Muschelkalk



Man könnte Kindern ja eine besondere Affinität zur Form der Kugel nachsagen. Ob aus süßem Eis, als gläserne Murmel oder als Fußball – die Kugel scheint Kinder irgendwie anzusprechen. Aus diesem Grund hat der Münchner Bildhauer Markus Stangl sie aber nicht als dominierende Form für seine Skulptur im Außenraum der Kooperationseinrichtung ( Kindergarten + Kinderkrippe) Leschkircher Straße gewählt. Denn auch wenn sich dort primär Kinder aufhalten werden – es ist gewiss nicht Ziel, sie auf diese Weise an mathematisch-geometrische Formen heranzuführen oder sonstigem, spielerisch verpacktem, pädagogischem Fingerzeig auszusetzen.

„Es ist zuerst einmal einfach nur ein Kunstwerk, ganz ohne didaktischen Mehrwert. Es muss für jeden erfahrbar sein – ob groß oder klein,“ so der Künstler, der jedwede intellektuelle Überfrachtung seines Werks strikt ablehnt. Letzteres muss auch gar nicht sein. Die wie mit einem großen Eierschneider zerteilten, hohlen Muschelkalk-Kugeln, die in Scheiben den Hang des Kindergartens hinunterzurollen scheinen, bieten auch so genügend Anknüpfungspunkte.

Wenn sie denn wollen, können die Kinder die steinernen Rundungen spielerisch erkunden, hinein- oder darauf herumklettern. Während ältere Betrachter wie Eltern oder Betreuer vielleicht das Paradoxon der scheinbar rollenden und gleichzeitig verharrenden Kugelscheiben zum Staunen und Schauen einlädt – ein Spiel mit Formen, Kräften, Bewegung und Statik, das sich auch in anderen Arbeiten Stangls wiederfindet und dessem Werk ganz ohne intellektuelle Überfrachtung eine spannende Metaebene verleiht.

Matthias Supé

Fotos: Lothar Reichel