Matthias Castorph:
Heimorgel, 2005


Kinderkrippe Freda-Wuesthoff-Weg
Architekt: Röpke Architekten
 

Einzelwerk
   

9 Türgongs und 2 Klingeltableaus



Welchen Klang hat das eigene Zuhause? Eine mögliche Antwort auf diese Frage liefert Matthias Castorph mit seiner Installation „Heimorgel“ – den Klang der Türglocke. Neun von ihnen hat er auf den beiden Ebenen der Kindergrippe Freda-Wuesthoff-Weg installiert. Sie lassen sich mit zwei Klingeltableaus an den beiden Seitenwänden des Spielflurs im Erdgeschoss steuern. Deren Farben korrespondieren mit Farbtafeln neben den Türgongs – eine kindgerechte Erklärung, welche Klingel zu welchem Gong gehört.

Das Gedankenspiel hinter der Installation, in der Matthias Castorph einmal erneut Objekte des Alltags unverändert übernimmt und zugleich überhöht, ist so einfach wie bestechend: „Wer den Klang seiner Türglocke hört, der weiß, dass er zuhause ist,“ sagt Castorph. „Der Klingelnde hingegen steht draußen, er kann nicht zuhause sein.“

„Heimorgel“ thematisiert diese Ungleichzeitigkeit des Aufenthalts – und hebt sie auf. Denn hier wird möglich, was eigentlich nicht möglich ist: durch eigenes Klingeln im gleichen Raum „Heimklänge“ zu aktivieren.

Ein schöner Gedanke an einem Ort, der für kleine Kinder ein zeitweises Zuhause darstellen soll. Und weil die Installation wie ein Musikinstrument genutzt werden kann, zugleich eine künstlerische Idee, der sich auch Ein- bis Dreijährige spielerisch nähern können. Am besten übrigens auf interaktive Weise, da die beiden Tableaus separat angebracht sind. Somit kann das Glockenspiel – für das die Münchner Komponisten Carsten Fabian und Axel Nitz sogar eigene Stücke geschrieben haben – nur im Team optimal ausgenutzt werden. Und falls es die lieben Kleinen dabei irgendwann einmal zu bunt treiben sollten, hat Matthias Castorph vorgesorgt: mit einem Not-Ausschalter.

Matthias Supé

Fotos: Michael Heinrich