Sabine Hornig:
Schulfenster, 2005


Grundschule und Tagesheim Pfeuferstraße 1
Architekt: Prof. Dr. Rudolf Hierl
 

Einzelwerk
   

Keramischer Siebdruck auf Sicherheitsglas
8,10m x 40,20m



Die klassische, die Gebäudefront verschließende Steinfassade lässt sich mit einem Gesicht vergleichen, das die Architektur nach außen repräsentiert. Die Glasfassade der Moderne hingegen funktioniert als Schaufenster und als Spiegel. Sabine Hornig – sie arbeitet in ihrer Kunst konsequent mit Architekturen und architektonischen Elementen – treibt mit der gläsernen Schulfassade als Schaufenster, Spiegel und Bildfläche ein hochkomplexes Spiel und verwandelt sie optisch-symbolisch ins öffentliche Gesicht der Schule.

Wer sich der Schulfassade nähert, sieht einen halb geschlossenen weißen Vorhang. Er erweist sich als Illusion: als großdimensionierter Siebdruck auf Glas. Auf den Scheiben der Fassade beginnen scheinbar klare Grenzen zu oszillieren, Grenzen zwischen Bild und Wirklichkeit, Spiegelbild und Foto, zwischen Innen- und Außenraum, Raumtiefe und Glasoberfläche, zwischen dem, was vor uns und dem was, hinter uns liegt. Wenn wir vor der Fassade stehen, spiegeln sich die in unserem Rücken liegenden Häuser und Bäume. Drehen wir uns um, sind die Bäume verschwunden. Ein Teil des „Spiegelbildes“ erweist sich als Foto. Ganz offensichtlich sind die Erinnerung an das Wahrgenommene und die erinnerten Bilder ein wichtiges Instrument unserer Wirklichkeitskonstruktion.

Das Gesicht des Gebäudes, das auf die Schule als Schule weist, entsteht nicht zuletzt durch die auf den Fotos ins Spiel gebrachten „Attribute“. Dort, wo der Vorhang sich öffnet, fällt der Blick auf ein Bücherregal und auf Ordner. Die über dem Eingang gespannte Girlande aus fotografierten Luftballons begleitet den täglichen Eintritt der Kinder in die Schule und heißt sie mit bunten Farben willkommen.

Heinz Schütz

Fotos: Arwed Messmer