Yukara Shimizu:
In verschwiegener Nacht, 2006


U-Bahnhof Marienplatz
 

Einzelwerk

Teil des Projekts: Megalights
   

Fünfteilige Fotoarbeit auf 5 Werbeleuchtkästen
(jeweils ca. 3,24 m x 2, 36 m), temporär



Derart geschmeidig, wie sich die Wasseroberfläche im fotografischen Widerschein der nächtlichen Straßenbeleuchtung wellt, könnte man fast eine ölige Flüssigkeit in dem Flussbett vermuten. Doch nicht Umweltverschmutzung ist die Ursache für den merkwürdig dickflüssig erscheinenden Aggregatszustand des Wassers. Durch eine lange Belichtungszeit verleiht Yukara Shimizu ihren 300 ° weiten Panoramaansichten des städtischen Isarufers eine fast abstrakte Qualität. Die japanische Fotokünstlerin hat die nachtblaue Flussniederung zwischen Deutschem Museum und Corneliusbrücke von fünf sehr niedrigen Standpunkten aus fotografiert. Und so bekommt man einen perspektivisch eher eingeschränkten Überblick über die Flusslandschaft, auch wenn die Bilder eine panoramatypische Krümmung aufweisen. Shimizu empfiehlt gewissermaßen dem WM-Besucher, einmal auch die „verschwiegeneren“ Orte Münchens aufzusuchen. Also jene Plätze in der Stadt, an denen sich trotz des urbanen Umfelds der Wildwuchs die Natur nachhaltig sein Recht verschafft. Im Hintergrund der Isar taucht die radikal angeschnittene Silhouette der Münchner Innenstadt lediglich als Saum auf. Man könnte sich vielleicht auch in Paris an der nächtlichen Seine wähnen. Bewusst stellt Shimizu das Ungewisse des Schauplatzes, einen ins Dunkel gehüllten Querschnitt zwischen Uferböschung und reflektierender Wasseroberfläche zur Ansicht. Ein Freiraum mitten in der von Glanzlichtern umgebenen City von München wird visuell zugänglich.

Birgit Sonna

Fotos: